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nicht ruhen lassen wollen, empfiehlt die SL euch
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Wir wünschen unseren fleissigen Usern viel Spass
auf der neuen Plattform und hoffen
euch alle in alter Frische und mit dem gleichen Elan
bald auch wieder an dieser Stelle begrüssen zu können.
Wie ist es, alles hinter sich zu lassen, das man gekannt hatte, und ein Territorium zu betreten, von dem man vor nicht allzu langer Zeit noch nicht einmal geahnt hatte, dass es existierte? Die Antwort war wenig beeindruckend – jedenfalls für Kassander. Die Antwort lautete: Kirschrot. Dies war der erste vernünftige Gedanke, den er Ororo über den implantierten Comlink hatte schicken können und für ihn im Moment auch der wichtigste. Ororos Lieblingsfarbe. Ein Rot, wie die Kirschmarmelade auf ihrem Frühstücksbrötchen… vielleicht noch ein wenig dunkler. Das hatte sie ihm geantwortet, als er sie am frühen Morgen danach gefragt hatte.
Seine Schritte hallten leise auf dem verlassenen Gang der Subs. Im Augenblick versuchte er eine innere Karte der Katakomben anzufertigen und die Räume abzugehen, die ihm Ororo am Tag zuvor gezeigt hatte. Die dumpfe Stille hier unten war beruhigend, vielleicht nicht für jeden, vielleicht wäre sie für einen anderen bedrückend gewesen, doch Kassander zog das Schweigen hier unten der momentanen Hektik ein Stockwerk weiter oben vor. Er betrat die Umkleideräume der X-odus und ließ den Blick über die Spints schweifen, die mit Namen versehen waren…Codenamen. Auch er würde bald einen Spint mit seinem Namen haben. Vielleicht erschien ihm das alles tatsächlich noch etwas unwirklich, wenngleich die x-förmige Narbe in seinem Nacken noch immer ein wenig schmerzte und ihn das Implantat des Comlinks spüren ließ, so dass er sich durchaus in der Realität wähnte. Hier würde er viele Möglichkeiten haben, seine Fähigkeiten zu trainieren und zu perfektionieren. Und er würde sie nutzen.
Es hatte keinen Sinn zu leugnen, dass die Party dermassen schief gelaufen war, wie sie sich niemand hätte schrecklicher vorstellen können - und dabei kannte Storm noch nicht einmal die ganze, erschreckende Wahrheit.
Die Hände auf dem Rücken verschränkt machte sie nach Aussen hin eigentlich einen ruhigen Ausdruck, dennoch sprachen ihre weissglühenden Augen eine ganz andere Sprache.
Selbst der Gang in den Subs schien vor den Wetterbeeinflussungen Storms nicht gefeit, auch wenn es hier auf den ersten Blick weitaus weniger erschreckend schien. Nur zu nahe kommen sollte man ihr wohl nicht unbedingt.
Schweigend hatte sie den Weg zum Dangerroom zurück gelegt und das erste Mal, dass sie beruhigt durchatmete war, als eben jene Türen hinter ihr lautlos zuglitten.
Kassander war ihr bis dahin gefolgt, doch vor dem Dangerroom blieb er stehen. Er musste sie jetzt einfach eine Weile allein mit sich lassen, denn wie versprochen, hatte er ihr in den Gängen der Subs von Raguels Tod erzählt. Einer hatte es tun müssen. Der Dumme war nunmal immer der Bote. Natürlich wäre er mit in den Dangerroom gegangen, doch sie hatte ihn nicht gebeten, sie zu begleiten, so dass er später wieder nach ihr sehen würde.
Trotz allem blieb er lange vor der Tür stehen. Was, wenn sie sich... aber Ororo war nicht wie seine Mutter. Ororo war viel stärker. Oder nicht? Er konnte jetzt nicht einfach gehen, so dass er die Tür ebenso aufschob und nach ihr sah.
Thraumatisierten Menschen haben einen steifen Gang. Ihre Stimmen sind gedämpft, wie beim Aufsagen eines altvertrauten Gebets oder wie ein Ringen nach Luft. Bestimmte Gefühle sind ihnen abhanden gekommen, andere haben sich verstärkt. Ihre Zunge, die normalerweise an einer Stelle ganz hinten für den Geschmack namens "bitter" zuständig ist, muss diesen Geschmack jetzt mit der Mundhöhle teilen, der Kehle, dem Magen.
Sie tragen Dufflecoats im Sommer und im Winter dünnsten Gabardine - denn Schuldgefühle haben ihr Temperaturempfinden auf den Kopf gestellt.
Es war lange her, dass sie diese Zeilen gelesen hatte und sie nicht wirklich nachvollziehen konnte.. Nun lagen die Ereignisse anders und Ro musste mit erschrecken feststellen, wie zutreffend diese Aussagen doch in Wirklichkeit waren.
Um sie herum tobte ein Sturm, der ihr die scharfkantigen Regentropfen ins Gesicht peitschte. Ein verrücktes Gefühl - wenn sie nur wirklich fühlen könnte. Sie schwitzte, zumindest innerlich, obwohl ihr Körper vor Kälte zitterte. Und all diese Gegensätze konnten es trotzdem nicht schaffen ihr das lähmende Gefühl von Leere zu nehmen.
Die Tränen, die ihr über die Wange gelaufen waren, als Kass ihr die Hiobsbotschaft überbracht hatte, waren gefroren und einmal mehr wünschte sie sich, dass das Gleiche mit der Zeit passieren könnte.
Aber es blieb nur der bittere Geschmack - bitter und tod.
Auf der kleinen Felshöhe dort im Raum sass nicht mehr Ororo und auch nicht mehr Storm, sondern nur noch das, was die Geschehnisse vorübergehend von ihr übrig gelassen hatten - eine seltsam unberechenbare Hülle.
So hatte er sie noch nie gesehen. Natürlich kannte er sie auch noch nicht sehr lange, aber so hatte er noch überhaupt keinen Menschen gesehen. Es war erschreckend, belastend, traurig und nahezu unvorstellbar, diese doch immer lächelnde, starke Frau so gebrochen zu sehen. Raguels Tod war schlimm, sehr schlimm. Aber er hatte ihn kaum gekannt, und eigentlich kannte er auch Ororo kaum. Und doch schmerzte es ihn unsagbar, sie so zu sehen.
Was konnte er tun? Überhaupt nichts. Oder doch? Ihren Schmerz musste sie selbst bewältigen - und wohl auch das Gefühl von Schuld. Darin konnte er ihr nicht helfen. Aber er konnte da sein.
Mitten durch den Sturm, der in der Halle tobte, stieg er zu ihr auf die Felshöhe und zog sie in seine Arme. Er musste sie zurück holen. Die Nachricht von Raguels Tod durfte sie nicht zerstören. Er würde das nicht zulassen.
Er sollte sich den Anblick gut merken - nein, genau im Gegenteil vermutlich: Er sollte ihn sich auf keinen Fall merken. Denn es würde das erste und auch letzte Mal sein, dass er sie so erblicken konnte. Natürlich schmerzte Ororo die Nachricht, natürlich hatte sie Schuldgefühle und natürlich wusste sie, wie grosse der Verlust war. Trotzdem würde sie unter normalen Umständen niemals so reagieren.
Sie war sich ja selbst vollkommen fremd - und trotzdem gebrochen.
Das Gesicht an Kassanders Schulter gedrückt schluchzte sie nicht viel anders, als es ein weiterer Lehrer am Loch noch vor kurzem getan hatte.
Wenn sie selbst eine Begründung für ihr völlig deplaziertes Verhalten - denn nichts anderes war das hier für eine sonst so klar strukturierte Mutantin - hätte finden sollen, hätte sie zweifelsohne Eins und Eins zusammenzählen können. Doch in dieser Situation waren klare Gedanken ebenso schwer zu fassen, wie Luft.
Wenn Kassander sich wirklich solange mit ihrem Anblick zermartern wollte, bis sie sich beruhigt hatte, würden noch mehr Leute als die O'Reillys in dieser Nacht keine Ruhe finden.
Kassander überließ sie eine Weile ihren Tränen, allerdings merkte er, dass sich über dem Institut wieder etwas zusammenbraute und es anfing zu gewittern. Kurz sah er an die Hallendecke und lernte schnell, was Ororo ihm erst gestern gesagt hatte. Ihre Gabe war von ihren Gefühlen beeinflusst, was sehr schnell für andere gefährlich werden konnte, wenn sich Storm nicht in der Gewalt hatte. Welch große Verantwortung dabei auf ihren Schultern lastete, erfasste er erst jetzt in voller Bedeutung. Er musste sie allein lassen. Nur so würde sie ihre Kontrolle über sich wieder erlangen. Niemand konnte ihr das abnehmen und würde Kassander es versuchen, würde dies wohl in einer Wetterkatastrophe enden. Sie durfte sich in diesem Fall nicht auf ihn stützten, sondern musste es selbst schaffen.
Er erkannte es in dem Moment, als das Donnergrollen ohrenbetäubend anschwoll und er sie losließ, um ihren Blick zu suchen.
"Ro, sieh mich an. Du musst jetzt allein sein, aber ich komme in einer Stunde zurück, hörst du? Ich komme ganz sicher zurück."
War es nicht genau das, was sie ihm am Loch hatte verständlich machen wollen? Vermutlich - aber sie wusste es selbst nicht mehr genau, um ehrlich zu sein.
Sie nickte schwach. Ob sie auch tatsächlich mitbekam, was er ihr grade gesagt hatte, stand auf einem anderen Blatt geschrieben. Trotzdem lächelte sie kurz und scheinbar dankbar, als sie aufsah.
Eine Stunde? Es war egal, ein Zeitgefühl würde sie eh nicht haben, genauso wenig wie jedes andere, dass hinter einem grossen, nagendem zurückgetreten war.
Er ließ sie nur ungern allein, aber diese Stunde würde sie wahrlich für sich brauchen. Leise zog er die Tür zum Dangerroom zu, als er wieder auf den Gang trat. Ihm fiel Carol ein, die er bei all dem Durcheinander vollkommen sich selbst überlassen hatte. Also beeilte er sich wieder in die Vorhalle des Instituts und hoffte, dass Carol noch dort und nicht einfach hinaus ins Unwetter gelaufen war.
Was ein Glück, dass er Kass nicht begegnete denn dieser Hans Wurst hatte ihm zum Abschluss des Tages wirklich noch gefehlt.
Sicher hatte er sich Sorgen um Ro gemacht, aber er wusste auch, dass sie solche Situationen auch ohne irgend jemanden durchstand. Sie war schließlich eine der stärksten Frauen die er kannte.
Er wusste nicht mehr genau warum sie sich eigentlich gestritten hatten und warum er so böse auf sie gewesen war.
Aber das Logan nun im Dangerroom hinter ihr getreten war und die Hand auf ihre Schulter legte konnte doch bestimmt mehr aussagen als manche Floskel, oder?
Er war doch nicht wirklich gut in solchen Sachen
Storms Blick ruckte erschrocken zu ihm empor, was die Vermutung bestätigte, dass sie von seiner Ankunft nicht das Geringste mitbekommen hatte. Ein Umstand, den man sonst bei Storm kaum erleben konnte. Aber heute schien ja nun wirklich alles anders zu sein.
Logan und Ororo. Sie kannten und liebten sich einfach schon zu lange, um wirklich aufeinander böse sein zu können, oder? Unter Freunden konnte man eben alles verzeihen - auch ohne Worte und dafür um so ehrlicher mit dem Herzen.
Schweigend legte sie ihre Hand auf seine und nickte langsam.
Vergeben, aber nicht vergessen - denn dann wäre es unnütz gewesen.
"Wie geht es Rohey? ...Sariel?"
"Ich weiss nicht. Aber bei den Schülern ist alles ok." Na ja, er war nicht gläubig, aber wenn es etwas half dann würde er sogar ein Gebet für Rohey sprechen.
Er setzte sich zu ihr und zog sie in die Arme. Nicht weil sie den Trost brauchte, sondern er.
Hier in abgeschiedenheit der Subs und einzig und allein in ihrer Nähe, dem Menschen den er hier auf Erden am meisten vertraute, ließ auch er seinen Tränen freien lauf, selbst wenn sie ihm nur stumm über die Wange rannen, sein Mund selbst in tiefster Trauer zu einer kämpferischen Maske verzogen.
"Wir geben nicht auf, Ro." seine Stimme klang natürlich belegt. "Hörst du? Wir geben nicht auf."
"Du weisst doch, dass ich dafür nicht hergekommen bin." Aber es war so einiges passiert, für das sie nicht hergekommen war. Wenn sie aber daran dachte, wievielen Kindern sie ein Zuhause und - normalerweise jedenfalls - Sicherheit bieten konnten, blieb ihnen auch nichts anderes übrig als weiter zu machen. Für die Kinder.
Sachte strich sie ihm über die Schulter, während ihr Blick einfach durch ihn hindurch zu driften schien. "Es muss nur erst wieder Ruhe einkehren." Im Institut, in den Köpfen, in ihr.
Sie wusste, dass er sie lieb hatte oder? Aber wäre er denn Logan wenn er ihr das jetzt sagen würde? Eben und deshalb hielt er den Mund und küsste sie auf die Strin, strich ihr vorsichtig über den Rücken.
"Wir kriegen das hin, Ro." weil alles andere würde er niemals zu lassen. NIEMALS!
"Du solltest ins Bett gehen, Logan." Er wurde sentimental? Nicht, dass Logan nicht was für sich hatte, wenn er mal so handzahm war, aber Ro war es wirklich unheimlich. Wahrscheinlich weil sie längst begriffen hatte, dass auch ihre Gefühle nicht wirklich ihr selbst gehörten und bei Logan würde er vermutlich kein Deut anders sein.
Was war mit den anderen, die am Loch gewesen waren? Chui? Colum? Padraig? Sie konnte sich nicht recht erinnern, was genau sie alle getan hatten, da sie mit sich selbst wirklich zur Genüge beschäftigt gewesen war, aber es war definitiv kein normales Verhalten gewesen.
"Der Tag morgen wird bestimmt für uns alle ansrengend."